Ein junger Irish Terrier Rüde berichtet aus seiner Sicht

Dieses Foto zeigt unseren Irish Terrier Frodo im Alter von 7 Monaten vor dem ersten Trimmen.
 (-Was haben denn meine Zieheltern heute mit mir vor?-) Das Ergebnis können Sie in diesem Archiv unter "09/08 Irish Terrier in der Sonne" nachschlagen. Unter "09/07 Irish Terrier Termine" finden Sie ein Bild im zarten Alter von 4 Monaten.
Irish Terrier Frodo
Die Zeit fliegt und schon steht Weihnachten vor der Tür. Frodo ist im 12. Lebensmonat. Wir erhalten elektronische Post von seiner Familie, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
 
 
 

Ein ganz normaler Tag
 

Heute Morgen beginnt alles wie immer. Ich liege, gemütlich und warm, in meiner Kissenkuhle und schlafe. Zuerst geht es mit dem Gepiepse los, dann höre ich Schritte über meinem Kopf, dann Gepolter auf der Treppe (so ein Krach morgens!) und mein altes Frauchen betritt die Küche.

 Ich habe zwei Frauchen, ein  altes und ein junges. Das junge Frauchen mag ich am liebsten. Es riecht wie das alte, nur noch besser – und kann auch besser rennen. Ich habe auch noch zwei Herrchen, ebenfalls ein altes und ein junges. Das alte Herrchen ist ein ganz Lieber, das junge Herrchen ist ziemlich streng Als ich ganz klein war, hatte ich nur ihn und wir sind gute Freunde geworden. Dann habe ich noch ein Reserveherrchen, aber das ist selten zu Hause.

 Das alte Frauchen ist insgesamt für mich als auch für die anderen der wichtigste Mensch, weil sie uns allen das Fressen zuteilt.
Morgens hat auch mein altes Frauchen ziemlich viel Power. In der Küche geht es gleich los mit Kaffeekochen, Frühstück und Butterbrote für die Herrchen werden gemacht.

 Am Anfang als ich noch klein war, bin ich jeden Morgen sofort hingelaufen und habe sie begrüßt und wir sind sofort rausgegangen. Das war auch echt dringend, wenn mir das Pipi bis zu den Ohren stand. Aber ich hab’ (fast Anmerkung der Redaktion) noch nie ins Haus gemacht. Das gehört sich doch nicht. Einmal hatte ich Bauchschmerzen und ganz dünne Schitte; die wollte dann nachts raus und lag im Wohnzimmer. Wie peinlich!! Ich hab’ morgens so getan, als wär’ das nicht von mir und einfach nicht hingeguckt. Das lief gut, denn keiner hat mit mir geschimpft.
Heute ist das anders. Heute bin ich morgens ziemlich müde, weil ich die ganze Nacht auf alle aufpassen musste. Jeden Morgen wird die Zeitung durch den Schlitz geschoben. Diese Störung nehme ich klaglos und still hin. Aber einmal in der Woche wird eine noch dickere Zeitung nachgeschoben. Heute Morgen bin ich sofort nach oben gelaufen und habe meinen Menschen mitgeteilt, dass auch die dicke Zeitung da ist (wo sie doch alle so gern Zeitung lesen!), aber die wollten das gar nicht wissen und ich habe mich schnellstens wieder in meine Kuhle verdrückt.

Bei diesem Geklapper in der Küche bleibe ich da auch erstmal. Dann verschwindet mein Frauchen mit Zeitung und Kaffee. Als ich neu hier war, dachte ich, sie sei weg und habe mich vergessen und bin sofort suchen gegangen – aber sie ist dann immer in dem Raum, in den ich nicht reindarf. Dort stellen sich die Menschen freiwillig in den Regen um besser zu riechen.
Ich kann Regen nicht leiden.
Anschließend liest sie auf der Couch weiter. Ich mach’ die Augen zu und die Ohren auf. Kleines Rascheln bedeutet Umblättern (muss ich nicht beachten), beim großen Rascheln wird etwas zusammengepackt. Steht sie auf? Ich öffne ein Auge….jawohl…gleich geht es los…sie ist im Flur… löst die Klettverschlüsse ihrer Hausschuhe…Achtung!...Rauschen der Jacke…Fertig! ….Schlüssel klappert…Los! Ich springe auf und guck’ mal wie weit sie ist. Wie oft sie dann manchmal noch hin und her rennt!
Ich bin praktisch immer bereit…noch ein bisschen dehnen und recken, gähnen mit Zungenstretching, röhren (das ist so ein  tiefes Grollen von weit unten mit ganz langem Hals)… endlich geht die Tür auf und die kalte Luft kommt rein. Frauchen geht zuerst raus um zu gucken, ob die Luft rein ist. Ich muss so lange drin bleiben, bis sie mich ruft. Losstürzen darf ich dann aber immer noch nicht, sondern muss manierlich die Treppe runtergehen. Sonst wird sie sauer! Sie ist hier nämlich mal hingefallen, angeblich weil ich ihr mit der Leine zwischen die Beine gesprungen sei! Nächster Stopp ist gleich an der Straße. „Sitz!“ Wenn ich nicht Sitz mach’, gehen wir nicht über die Straße und ich erreich’ meine Strecke nie! Um das Ganze ein bisschen abzukürzen, setz’ ich mich gleich ohne Aufforderung (sie ist dann ganz stolz auf mich, was ich doch für ein gelehriges Kerlchen bin!) und hui sind wir auf der anderen Straßenseite.
Meistens bin ich der letzte – alle anderen waren vor mir hier – kein Wunder, „wir“ müssen ja Zeitung lesen!
Am ersten Gartentor darf ich kein Pipi machen- warum, weiß ich auch nicht! Danach gibt es keine Tore mehr! Ich muss Bäume, Sträucher, Grasbüschel usw. absuchen, um meine Markierungen zu hinterlassen. Dann muss ich noch einen guten Platz für meinen Stinker finden. Auch nicht so einfach! Also, rein in den Waldweg! Sobald ich den Haufen gemacht habe, kehren wir um. Also mach’ ich ihn nicht gleich am Anfang. Reine Nervensache… manchmal gibt Frauchen auf und kehrt um, dann tue ich ihr den Gefallen kurz vor Ende des Weges. Dann freut sie sich! Ich freu’ mich auch, scharre, springe und hopse um sie herum. Manchmal treffen wir die Frida mit ihrem Herrchen. Sie riecht gut! Wir zwei rangeln dann ein bisschen miteinander. Schon früh morgens drehen sie mit dem Fahrrad eine Runde durch den Wald. Damit Herrchen nicht vor einen Baum fährt, hat sein Fahrrad einen Scheinwerfer wie ein LKW. Frida ist immer an der Leine. Sobald sie frei ist, läuft sie weg. Cool!

 Zu Hause gibt’s Futter! Endlich!

 Jetzt liegt Herrchen auf der Couch und liest Zeitung!

 Frauchen fängt an hin und her zu laufen und Sachen hin und her zu tragen und anders im Haus zu verteilen. Sie nennt das Aufräumen! Ich folge ihr überall hin - muss sie aber einmal kurz allein lassen, denn die Herrchen verlassen das Haus. Damit ich nichts verpasse, liege ich auf der sog. Schmutzfangmatte (Bin ich etwa schmutzig!?) vor der Haustür und schaue ihnen bei den Vorbereitungen zu. Sie ziehen sich Extra-Pfoten an, dann ein Extra-Fell! So ein Aufwand, wir Hunde haben es da besser! Aber ihre Beute-Beutel sind richtig praktisch! Ich werde am besten noch mal kurz die Butterbrote kontrollieren….aber dann werde ich verscheucht, weil ich angeblich im Weg sei!

 Frauchen ist in dem Raum, in den ich nicht reindarf und plätschert mit Wasser. Sie holt den Putzeimer mit Schaum (schmeckt nicht!). Jetzt wird’s ungemütlich. Zuerst vergreift sie sich an meinem Kissen. Ich schmeiss’ mich drauf um das Schlimmste zu verhindern. Womöglich eine neue Decke? Es kostet mich Tage bis es dann wieder gemütlich riecht. Jetzt werden meine Spielsachen in die Kiste geräumt. Ich stürze vor und rette meinen Freund (Stoffhund Anm. d. Red.). Manchmal wäscht sie den nämlich auch.
Zusammen werden wir auf dem Kissen durchs Wohnzimmer gezogen. Dann wird gewischt…gezogen….gewischt…gezogen… Ich halte meinen Freund ganz fest! Dazu läuft laute Musik. Frauchen sagt, ohne könne sie „Haushalt“ nicht aushalten. Jetzt schreit gerade ein Typ namens Tom Jones.  Den Wischer mit dem ollen Lappen kann ich nicht leiden! Der stinkt! Schlimmer ist nur noch der Staubsauger. Vor dem müssen sich mittelgroße Hunde wie ich sehr in acht nehmen. Der frisst alles! Sogar meinen Freund hat er versucht aufzufressen. Der war vor Angst ganz starr, mein Frauchen hat ihn dann befreit. Toll!

 Frauchen scheint keine Lust mehr zu haben. Wir gehen in den Keller und tragen auch hier Sachen hin und her. Hier bin ich gern. Erstens gibt es hier immer wieder Ecken, die ich noch nicht kenne und zweitens steht hier meine Kiste, auf der ich schön gemacht werde. Striegeln ist angenehm, Bartkämmen ziept, an den Pfoten, besonders hinten, bin ich kitzelig, aber zum Schluss gibt es Leckerli aus dem Glas, das gleich neben der Kiste steht. Ich kann es die ganze Zeit im Auge behalten, dass es nicht wegläuft oder sonst wie verschwindet. Einmal in der Woche werden mir die Ohren saubergemacht. Am liebsten würde ich gar nicht hingehen, wenn sie mich mit der Flasche in der Hand ruft.  In beide Ohren krieg ich was rein. Das ist furchtbar kitzelig, aber ich darf nicht schlackern. Synchron werden mir dann beide Ohren massiert. Das ist furchtbar schön- ich halt ganz still damit es nicht aufhört.

 Aber jetzt geht es endlich raus! Nach der üblichen Prozedur sind wir auf der anderen  Straßenseite und die große Waldtour kann beginnen. Zwischendurch üben wir immer wieder an lockerer Leine laufen und Fuß (kann ich doch schon alles -  tu’ ich bloß nicht immer), aber die meiste Zeit darf ich einfach so losrennen.
Das ist toll – einfach nur der Nase zu folgen. Zu Anfang dreh’ ich voll auf und  renn’  gleich erstmal richtig los- dass die Ohren nur so fliegen. Am liebsten sprinte ich durch welkes Laub, in den Kurven stiebt es in alle Richtungen, springe wie ein Hirsch über Äste und Stämme – voll auf Geschwindigkeit. Dabei muss ich immer Frauchen im Auge behalten, damit ich sie nicht verliere. Das ist nämlich schon vorgekommen. Plötzlich war sie weg. Glücklicherweise habe ich sie dann hinter einem Baum wiedergefunden.
Dann finde ich natürlich alles Mögliche, was gut riecht. Ich darf alles untersuchen, nur nichts fressen. Das fällt manchmal ganz schön schwer, aber wenn Frauchen „Nein“ sagt, darf ich nicht. Aber sie guckt ja nicht immer. Als ich vor kurzem dachte, dass sie nicht hinsieht und gerade dabei war etwas wirklich köstliches zu verschlingen, hat sie mich von hinten dermaßen angeraunzt, dass ich fast einen Herzschlag bekommen hätte und vor Schreck alles fallen ließ. Wir üben das ja auch und da mach’ ich immer alles richtig. Frauchen verteilt Leckerli im Wald und fremde Leute halten mir Leckerli entgegen. Ich darf das nur fressen, wenn Frauchen mit „Bitte“ ihr OK gibt. Manchmal lassen wir es auch liegen und gehen einfach weiter! Es ist nicht zu fassen! Ich muss aufpassen; die Frau hat ihre Augen überall.
So ist manchmal auch ein ganz besonderer Duft im Wind. Ich mache mich dann ganz groß, stelle mich auf die Pfotenspitzen und halte die Nase hin. Ich würd’ ja gern mal nachsehen, woher der kommt, aber Frauchen sagt „nein“, ich solle das vergessen. Am liebsten plätscher’ ich auch durch die Bäche. Manche haben glasklares Wasser, das trinke ich gern. Manche haben braunes brackiges Wasser, da muss ich aber immer sofort raus. Bach- und Pfützenwasser schmecken sowieso am besten. Nicht so chemisch wie mein Wasser zu Hause im Napf. Ich habe im Wald meine geheime Trinkstelle. An der Stelle, wo wir regelmäßig Ballspielen ist ein Baum mit einer Kuhle an der Wurzel. Diese Kuhle ist nach jedem Regen immer voll mit frischem Wasser. Manchmal habe ich allerdings auch Pech und stehe mit vier Beinen im Schlamm. Jetzt ist das nicht so schlimm: das trocknet und fällt beim Laufen ab. Aber im Sommer kann es schon schön stinken. Find’ ich nicht, meine Menschen sagen das. Als ich einmal mit meiner Freundin Luna unterwegs war, sind wir in so eine Kloake, wie Frauchen sagt, geraten. Noch heute wird Frauchen ganz unruhig, wenn wir uns diesem Wasserloch nähern. Luna war damals noch größer als ich und hatte nur schlammige Beine- ich stand bis zum halben Bauch drin. Ich wurde 3 x in der Badewanne im Keller eingeschäumt bis meine Menschen fanden, dass ich wieder akzeptabel röche. Anschließend war ich fix und fertig mit der Welt.

 Meine Freunde sind auch im Wald unterwegs. Da ist zum Beispiel Anton, ein Golden Retriever. Der tut genauso wie ich, alles was sein Frauchen sagt, solange er mich nicht sieht. Aber dann geht die Post ab! Wir haben immer noch nicht bis zum Ende ausgetestet, wer am besten rennen und rempeln kann. Dann ist da Pauli, ein ganz netter Kumpel. Oder Baltus, der ist leider meistens hinter seinem Zaun, aber gelegentlich ist das Tor nicht richtig zu, ich kann das vorn’  aufstoßen und dann laufen wir zusammen.  Wenn wir Diego treffen, werden wir beide vorsichtshalber angeleint. Ich würde doch nicht mit Diego weglaufen, jedenfalls nicht sehr weit! Diese Kumpel sind alle ungefähr so alt wie ich und wir haben toll Spaß miteinander.
Dann kenn’ und mag ich natürlich die niedliche Dackeldame Pauline, die manchmal zum Verlieben gut riecht. Auch Bonny ist eine Dackeldame. Die hat schwer was auf dem Kasten, besteht alle Prüfungen. Wie kann man nur so klein sein und doch  so schlau!
Meine großen Vorbilder sind Sammy und Odin.
Sammy ist 6 Jahre alt und aus dem Süden. Er macht sehr selbständig allein Ausflüge in den Wald. Ein sehr lieber freundlicher Kerl, sehr intelligent. Aber Prüfungen macht der bestimmt keine. Sein Frauchen sitzt oft allein auf einer Bank im Wald und wartet auf ihn. Das kann Stunden dauern. Gelegentlich kommt er dann vorbei. Er hat sich schon richtig ernsthaft mit mir unterhalten. Ich durfte schon mal mit ihm laufen, das war spannend. Aber als mein Frauchen dann pfiff, hat er mich zurückgeschickt.
Dann ist da Odin. Odin ist ausgebildeter Wach- und Schutzhund. So heißt das, glaub’ ich und er hat auch schon eine Menge Prüfungen bestanden. Zur Jagd geht er auch. Er zieht sehr weite Kreise um sein Frauchen, gehorcht aber aufs Wort. Aber ich glaube, ich bin ihm gleichgültig. Er guckt immer so ein bisschen auf mich runter, obwohl ich ihn bewundere. Ich fühle mich dann so dumm und unbedeutend. Sammy ist mir sympathischer!

 Damit ich auch gutes Hundebenehmen lerne und die Menschen lernen, mich besser zu verstehen, gehen wir alle zusammen in die Hundeschule. Da spielen wir zusammen, aber dann wird auch gearbeitet. Da muss ich mich konzentrieren und zeigen was ich kann.

 Wenn wir im Wald unterwegs sind, darf ich nicht zu Hunden rennen, die ich nicht kenne oder die an der Leine sind. Frauchen ruft mich zurück, ich muss ihr OK abwarten und darf dann zu den anderen gehen  - oder auch nicht. Meistens halte ich mich an diese Reihenfolge, aber wenn wir eine Hündin treffen, kann ich gar nicht so lange widerstehen. Sie zieht meine Nase an wie ein Magnet, und ich krieg’ sie da aus eigener Kraft nicht mehr weg. Ich bin ganz benebelt - auch meine Ohren funktionieren nicht mehr. Frauchen muss mich nachdrücklich abführen – ich kann da nichts zu! Außerdem habe ich inzwischen eine neue Taktik entwickelt, die ich mehr und mehr anwende und die nach meiner Meinung sehr gut funktioniert, wenn ich Hunde treffe, die ich nicht kenne. Sobald ich einen sehe, lege ich mich flach hin und warte bis der Kollege auf mich zuläuft. Dann springe ich auf. Frauchen findet die Taktik nicht gut, aber ich!
Manchmal bring’ ich Beute mit nach Hause. Stöckchen, die sich gut beißen lassen und gut riechen. Das ist gar nicht so einfach, da ich mich selten mit Kleinkram abgebe. Sie sind manchmal so groß, dass ich den Kopf ganz hoch tragen muss und nur kleine Schritte machen kann. (Besonders, wenn die Stöcke wie ein Dauerlutscher getragen werden, anstatt sie quer ins Maul zu nehmen, Anm. d. Red.) Leider darf ich meine Beute nicht auf  mein Kissen nehmen. Ich muss sie im Vorgarten aufbewahren.
Nach einer Waldtour muss ich erstmal ein Nickerchen machen. Vorher wird mir der Bart gewaschen. Ich hätte damit in Hundepisse gehangen- so ein Blödsinn! Darin sind wichtige Informationen gespeichert! Aber auch das geht vorbei. Zuerst steh’ ich meinen Leuten ein bisschen unter den Füßen, den manchmal gibt es ein Leckerli zum Nachhausekommen. Wahrscheinlich weil ich so brav war. Am bravsten bin ich übrigens, wenn mein Frauchen Fleischwurst einpackt. Aber das gibt es ganz ganz ganz selten. Heute gibt es kein Leckerli. Mist! Ich geh’ schlafen.

 Die Herrchen kommen nach Hause. Frauchen hat Fressen verteilt. Sie nennen das  Mittagessen. Obwohl ich mich vorbildlich benehme, d. h. die Küche nicht betrete, brav in der Küchentür liege und lieb gucke, krieg’ ich mal wieder nichts. Mist!

 Es regnet ohne Unterlass. Ich mag nicht, wenn mir das Wasser so auf den Kopf fällt. Frauchen will ausgerechnet jetzt Gassi gehen. Sie meint, ich muss. Ich muss nicht. Sie meint doch. Woher will sie das wissen? Sie soll bloß nicht denken, dass ich mich bei dem Wetter draußen hinsetze. In die Nässe und da wo wir die Straße überqueren sind sowieso immer so spitze Steine. Heute setz’ ich mich nicht! Wir machen drei Anläufe, dann beschließt sie, wieder reinzugehen. Endlich! Wir können doch auch drinnen gemütlich mit dem Ball spielen oder klickern!
Oje, ich ahne was! Frauchen zieht andere Extra-Pfoten und ein anderes Extra-Fell an. Sie wird doch nicht diesen Satz sagen! Mein Schwanz sinkt auf halbmast. Soll sie bloß sehen, dass ich traurig bin! Sie hat ihn gesagt, diesen Satz. „Frodo bleibt hier und passt auf!“ und weg ist sie. Mist! Aufpassen ist so langweilig! So hatte ich mir den Nachmittag nicht vorgestellt! Ich lege mich auf die sog. Schmutzfangmatte und denke an was Schönes.
Klickern ist ein tolles Spiel. Vor allen Dingen weil es immer Leckerlis gibt. Frauchen denkt sich was aus und ich muss rauskriegen was. Z. B. meinen Freund suchen und aufs Kissen bringen. Jedes Mal, wenn ich in die richtige Richtung laufe, klickert sie und ich krieg’ ein Leckerli. Manche Aufgaben sind echt leicht, ich erledige sie in einem Klickerkonzert und kriege dann ein großes Leckerli, z. B. ein Stückchen Fleischwurst. Die Betonung liegt hier auf chen. Ich weiß auch nicht, warum sie die immer so klein schneidet. Manche Aufgaben sind aber auch wirklich schwer und ich muss lange überlegen. Wenn sie „Falsch“ sagt, muss ich mir was Neues ausdenken. Leider hören wir  mit diesem Spiel auch immer so fix wieder auf. Genauso wie mit dem Ballspiel. Oder dem Suchspiel.
Jetzt bin ich beim Aufpassen doch fast wieder weggenickert. Schritte gehen am Haus vorbei, ich höre Stimmen. Nichts Interessantes. Ich recke und strecke mich. In der Küche könnte ich eigentlich mal wieder den Fußboden kontrollieren. Auf den Tisch darf ich nicht gucken. Als ich klein war, hab’ ich mir vom Rand mal ein Riesenstück Käse geangelt als keiner guckte. Lecker, aber hinterher war  mir schlecht. Jetzt sind sie aber vorsichtiger, da liegt nichts mehr am Rand. Ich möchte wissen, woher Frauchen weiß, dass ich mal nachts die Vorderpfoten auf dem Tisch hatte, um mir da einen besseren Überblick zu verschaffen. Sie war doch gar nicht dabei! (Es waren rote Flusen von Deiner Decke auf der Tischdecke. Wie sind die denn da wohl hingekommen, he? Anm. d. Red.)
Heute ist auch wirklich nichts los. Vielleicht sollte ich mal probeweise ein bisschen knurren und bellen. Das kann ich gut. Ich bin ziemlich laut. Wenn fremde Leute kommen und bei uns reinwollen, bell’ ich ganz laut. Nachts musste ich auch schon mal bellen. Da bin ich besonders laut, denn ehrlich gesagt, war mir schon ein wenig unheimlich und ich wollte, dass meine Leute ganz schnell kommen. Sie waren auch ganz fix da und haben mich gelobt für das gute Aufpassen. Eine kleine Belohnung, z. B. Fleischwurst, wär’ auch ganz nett gewesen. Grml, grml.
Herrchen ist wieder da. Fürs gute Aufpassen krieg’ ich einen Knabberstock zur Belohnung. Damit hab’ ich erstmal zu tun. Erst werf’ ich ihn in die Luft und spiel’ ein bisschen damit. Und dann fress’ ich ihn auf!
Jetzt müsste ich aber doch mal langsam gucken gehen, ob auf meiner Strecke alles in Ordnung ist… Meine Markierungen sind bestimmt alle weggeregnet und müssen nachgebessert werden. Ich stups’ Herrchen  mal ein bisschen an und piepse.
Und schon sind wir unterwegs. Prozedur an der Haustür, Prozedur an der Straße. Kaum einer durchgekommen,  ich markiere ordentlich nach, setze einen Stinker und dann will ich wieder nach Hause.
Es gibt nämlich Fressen. Diesmal nur für mich. Im Napf. Wenn es draußen trocken ist, gehen wir mit dem Ball raus und mein Abendessen muss ich mir verdienen. Es ist ein Riesenspaß hinter dem Ball herzurennen und ihn  zu überholen. Wenn ich ihn zurückbringe, krieg’ ich mein Futter. Leider hören meine Menschen mit diesem Spiel auch zu früh auf, ich könnte noch mehr fressen.
Jetzt ist es draußen dunkel. Auf der Terrasse steht jetzt so ein pieksiger  Baum  mit kleinen Lichtern, aber ich darf daran kein Pipi machen. Seitdem ich groß bin, darf  ich überhaupt im ganzen Garten kein Pipi machen, obwohl es da so schöne Stellen gibt, wo ich eine Markierung aus Sicherheitsgründen doch für sehr notwendig halte.
Der Tag ist für mich gelaufen. Ich habe den Wanst voll und muss verdauen. Ich wühle mich in meine Kissenkuhle, räkle mich auf dem Rücken, entlaste mal meine Pfoten und lüfte den Bauch. Jetzt müsste nur noch jemand vorbeikommen und mir den Bauch kraulen.
Wenn ich müde bin, brauch’ ich besonders viel Zuwendung. Am liebsten wär’ ich ja auch auf der Couch bei meinen Menschen. Als ich klein war, durfte ich sogar auf den Schoß. Ich geh’ mal hin, lege die Schnauze auf ein Knie und guck’ lieb. Jetzt werde ich am Kopf gekrault. Schon nicht schlecht. Ich steige mit den Vorderbeinen auf den Schoß und lass mich fallen. Ich werde weiter gestreichelt. Jetzt am Rücken. Ich verhalte mich ganz still, damit sie nicht merken, dass ich überhaupt da bin. In einer einzigen unauffälligen Bewegung steige ich dann erst mit dem einen Hinterbein dann mit dem anderen auf die Couch. Mist! Sie haben mich doch bemerkt. Ich muss runter. Ich versuch’ es später noch mal. Jetzt liege ich vor der Couch, spiele mit ihren Pfoten und werde am Bauch gekrault. Auch nicht schlecht! So langsam dussel’ ich weg.
Schlüsselgeklapper weckt mich! Herrchen wartet. Zeit für den letzten Kontrollgang meiner Abendstrecke. Abends gehen wir nämlich einen anderen Weg. Herrchen möchte das so. Er ist eben auch ein Gewohnheitstier.
Wir gehen an der Pferdekoppel vorbei. Im dunklen sind die Pferde noch größer als im hellen und richtig anfreunden kann ich mich mit denen nicht. Besonders das eine galoppiert immer zum Zaun wenn ich komme und will mich beriechen. Ich mag das nicht! Pauline ist mit Frauchen auch unterwegs und wir begrüßen uns. Mich zieht’s in meine Kissenkuhle und ich mag nicht mehr spielen.

 Die Quatschkiste macht noch ein Weilchen Lärm, aber nach und nach verschwinden meine Menschen in ihre Kissenkuhlen und es wird still.

 Gute Nacht!   Euer Frodo

 
 
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Irish Terrier aus Oberhausen (NRW) / Beate Wetzel / Tel.: 0208-8486203 / www.terrier-irish.de